Europa-Kongress Berlin 2017

Geschrieben von Christoph Ecken.

klein wagenknecht giegold bender

 

Das Video zur Podiumsdiskussion
Zur Podiumsdiskussion mit Sahra Wagenknecht und Sven Giegold (Gesprächsleitung Harald Bender) hat die Rosa Luxemburg Stiftung ein Video veröffentlicht. Es ist unter youtube abrufbar (hier klicken).


Kongress: Für ein solidarisches Europa
Alternativen zum neoliberalen europäischen Projekt

Ein Kongress der Akademie Solidarische Ökonomie in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung und der Urania


31. März 2017, Urania Berlin

Diskussionspapier der Akademie zum Europa-Kongress (bitte hier klicken)


Podiumsgäste, Referenten:
Sahra Wagenknecht, MdB, Vorsitzende der Bundestagsfraktion DIE LINKE
Sven Giegold, MdEP, Sprecher der deutschen Grünen im Europaparlament
Mario Candeias, Direktor des Instituts für Gesellschaftsanalyse, Berlin
Charlotte Hitzfelder, Konzeptwerk Neue Ökonomie, Leipzig
Petra Pinzler, Wirtschaftsjournalistin, DIE ZEIT
Thomas Sablowski, Institut für Gesellschaftsanalyse
Christoph Sanders, Konzeptwerk neue Ökonomie, Leipzig
Peter Wahl, WEED, Plan B-Gruppe

 vorher klein

 

Taugt Europa noch als positive Vision?

Mehr als 400 Besucher kamen am 31. März in die Urania zur Podiumsdiskussion mit Sahra Wagenknecht und Sven Giegold, 60 Teilnehmer diskutierten in den nachfolgenden Workshops miteinander über ein "alternatives Europa".


Seit der Durchsetzung des Troika-Diktats gegenüber Griechenland stehen Forderungen nach einem anderen Europa in zahlreichen EU-kritischen Initiativen und Bewegungen des globalisierungskritischen Spektrums auf der Tagesordnung. Taugt Europa noch als positive Vision der friedlichen Einheit freier und prosperierender Völker, in denen Demokratie und Menschenrechte verwirklicht und partikulare Interessen überwunden werden? Oder ist Europa längst zu einem primär wirtschaftlich getriebenen, neoliberalen Projekt mutiert, in dem das “Gesetz des Wettbewerbs“ zur europaweiten Diktatur der Kapital zu werden droht? Welches sind die grundlegenden Konstruktionsfehler des heutigen Europa, und was wären im Sinne sozialer und ökologischer Ziele und Werte die Alternativen?

Sahra Wagenknecht (Die Linke) und Sven Giegold von den Grünen im Europaparlament im Gespräch

In der Podiumsdiskussion „Für ein solidarisches Europa“, die den Kongress eröffnete, diskutierten zwei der prominentesten Vertreter sozialer und ökologischer Alternativen unseres politischen Spektrums: die Vorsitzende der Bundestagsfraktion DIE LINKE, Sahra Wagenknecht und der Sprecher der deutschen Grünen im Europaparlament und Mitgründer von Attac und unserer Akademie, Sven Giegold.

Krisensymptome: Brexit, Haushalts-, Finanz- und Flüchtlingskrisen
Die Krise des europäischen Projektes drückt sich in vielen Symptomen aus: Von den Haushalts- und Finanzkrisen über den Zerfall der vorgeblichen Wertegemeinschaft in der Flüchtlingskrise bis hin zum Brexit-Votum und neuen rechtspopulistischen Bewegungen, die durch nationalistisch motivierte Europakritik gekennzeichnet sind.

Was sind die strukturellen Ursachen dieser Krisen und Legitimationsverluste, und wie können institutionelle und politische Alternativen gestaltet werden? Im weiteren Workshop- und Kongressprogramm diskutierten Mario Candeias, Direktor des Instituts für Gesellschaftsanalyse, Berlin, Christoph Sanders vom Konzeptwerk neue Ökonomie, Leipzig, Thomas Sablowski vom Institut für Gesellschaftsanalyse und Peter Wahl, Mitbegründer von attac, die den Stand der Debatte reflektieren und Wege zu einem anderen Europa aufgezeichnet haben.

 

Leitfragen zum Berliner Kongress

1. Brauchen wir ein „anderes Europa“? Gibt es grundlegende
“Konstruktionsfehler“ der heutigen europäischen Gemeinschaft, die der
Verwirklichung positiver europäischer Werte und Ideale entgegen stehen?

2. Worin liegen die strukturellen Ursachen dafür, dass Europa nicht zu einer
solidarischen Gemeinschaft zusammenwächst?

3. Was bedeutet der Begriff „Solidarität“ im Kontext eines wie auch immer
vereinten Europa und welche Vision eines solidarischen Europa vertrete
ich (wir)?

4. Wie kann ein solidarisches Europa gestaltet werden? Welche konkreten
Schritte und Strategien sind aus meiner (unserer) Sicht notwendig:
a) im Bereich der Institutionen (europäische Demokratie)
b) im Bereich der Grundlagen (europäische Verfassung und Grundwerte)
c) im Bereich der Wirtschafts- und Finanzstrukturen (Alternativen zur Währungs- und Fiskalunion, Alternativen zu neoliberalen Handelsabkommen)

5. Kann es einen „europäischen Nationalstaat“ mit europäischer Volkssouveränität geben? Hebelt ein suprastaatliches Europa mit
überstaatlicher Legislative stattdessen das Prinzip der Volksouveränität aus?

 

Impulsvorträge und Workshops

Impulsvortrag 1: Europa als neoliberales Projekt (Mario Candeias)
Impulsvortrag 2: Alternativen zum Euro und das Konzept der variablen Geometrie (Peter Wahl)

Workshops
1) Die Krise des europäischen Projektes (Experte: Thomas Sablowski)
2) Alternativen zum Euro und das Konzept der variablen Geometrie, (Experte: Peter Wahl)
3) Das Europa des Wachstums - Gesellschaftspolitische Folgen und mögliche Alternativen aus der Degrowth-Perspektive, (Experten: Charlotte Hitzfelder und Christoph Sanders)
4) Solidarisches Europa ohne Grenzen -  Braucht die Demokratie den Nationalstaat? (Experte: Norbert Bernholt, Moderation: Akademie Solidarische Ökonomie)
 

Mario Candeais, Direktor des Instituts für Gesellschaftsanalyse, Berlin (li.), Peter Wahl, Weed, (re.)

 

 Thomas Sablowski, Institut für Gesellschaftsanalyse (li), Charlotte Hitzfelder, Konzeptwerk Neue Ökonomie, Leipzig (re.)

 

Abschlusspodium
Alternativen und Strategien für ein anderes Europa
mit (v.l.n.r.) Harald Bender, Mario Candeias, Peter Wahl und Petra Pinzler (Autorin „Der Unfreihandel“, Wirtschaftsjournalistin „Die ZEIT“; Hauptstadtbüro Berlin), Moderation Norbert Bernholt

 

 

 

 

 

Europa-Kongress München 2015

Geschrieben von Christoph Ecken.

Für ein neues Europa - Alternativen zum neoliberalen europäischen Projekt
Ein Kongress der Akademie Solidarische Ökonomie mit attac München
Vom 13. - 15. November 2015, EineWeltHaus München

 

Kongressbericht zum Herunterladen
alle weiteren Präsentationen, Videos, pdf-Dokumente unten auf dieser Seite

Alle Beiträge des Europa-Kongresses der Akademie in München sind nun als Video abrufbar - im Youtube-Kanal der Akademie (hier klicken)

 

Im Kongress „Für ein anderes Europa“ haben kritische Wissenschaftler, Aktivisten und interessierte Bürgerinnen und Bürger über die derzeitige Lage und künftige Gestaltungsmöglichkeiten eines anderen Europa gesprochen. Dabei ging es nicht um Patentrezepte, sondern um einen lebendigen Dialog, um die gemeinsame Suche nach neuen Lösungen.

Europa-Experten wie Prof. Christian Kreiß, Alexis Passadakis, Paul Steinhardt, Manuela Banoza, Kris Kunst und Peter Wahl brachten fachlich kompetente und politisch höchst aktuelle Beiträge in die Debatte, die aus unterschiedlichen Positionen heraus neue Perspektiven in der Diskussion hin zu einem neuen solidarischen europäischen Projekt skizzierten.

Podium

Podiumsdiskussion: Vertreterinnen und Vertreter (von links nach rechts) von "Europa Plan B", Paul Steinhardt, dem Moderator Harald Bender (Akademie Solidarische Ökonomie), Manuela Banoza (Sozialanthropologin Wien), Michaela Amiri (attac München) und Alexis Passadakis (attac) suchen beim Europa-Kongress nach Auswegen aus der europäischen Krise.


Das Gesetz des Wettbewerbs

In seiner Keynote betont Dr. Harald Bender von der Akademie Solidarische Ökonomie, dass das Gesetz des Wettbewerbs (law of competition), verankert als europäische Gründungsformel, einer grundlegenden Revision bedürfe. Die Ereignisse um die jüngste Eurokrise, das Troika-Diktat geHarald Bendergenüber Griechenland aber auch das Auseinanderfallen einer vorgeblichen europäischen Wertegemeinschaft in der aktuellen Flüchtlingskrise zeigten diverse Unzulänglichkeiten. Aus der Perspektive demokratischer, solidarischer und ökologischer Zielsetzungen sei ein grundlegender Umbau erforderlich, so Bender.

Zum fehlgeschlagenen Konzept der wirtschaftlichen und sozialen Integration über eine supranationale Währung hält Bender Alternativen für dringend erforderlich. Das Versagen vor ökologischen Fragen und die Blockade alternativer Entwicklungswege erforderten neue politische Konzepte - jenseits eines lange unhinterfragten europäischen Konsenses. 

 

Neue Perspektiven für Europa

Für Professor Christian Kreiß (die Präsentation zum Herunterladen) von der Hochschule Aalen ist klar: Die europäische Krise ist unter anderem eine Folge der Eigentumsordnung, des Zinseszinseeffekts und daraus folgender unsichtbarer Zahlungsströme. Dies alles, so Kreiß, führe zu einer zunehmenden Ungleichverteilung und einer steigenden Sparquote. Gleichzeitig steige das weltweite Kapitalangebot bei zurückbleibender Massennachfrage. So komme es zu einer Wertsteigerung von Aktiva, zu Überinvestitionen und auf der Seite der Verbraucher zur Überschuldung. In Kontinentaleuropa verstärke der Euro zudem die Verzerrungen - alles dies deute auf eine bevorstehende Bereinigung hin. Keine guten Aussichten also.

Professor Kreiß hält eine Reihe von Maßnahmen bereit, die Abhilfe schaffen könnten, doch bleibt Kreiß bei seiner Therapie überwiegend bei "Plan A", bei Korrekturen innerhalb des gegenwärtigen Systems. In einem ersten Schritt fordert er eine stärkere Besteuerung von Nichtarbeits-Einkommen (bei einem Freibetrag von zwei Millionen Euro).     Christian Kreiss

Eine Vermögenssteuer, so Kreiß, auf nicht selbst genutztes Bodeneigentum könnte jährlich mit drei Prozent veranschlagt werden. Ebenfalls auf jährlich drei Prozent könnte eine Steuer auf Unternehmensanteile für Anteilseigner lauten, die nicht selbst im Unternehmen arbeiten. Schließlich schlägt Kreiß eine Aufhebung des Zinseszinses etwa durch Freigeld vor, durch Umlaufsicherung oder durch „alterndes Geld“.  Für besonders wichtig hält Kreiß eine Senkung der Sozialabgaben und der Lohnsteuer für Kleinverdiener.

Auch schlägt Professor Kreiß vor, die Eigentümerstrukturen der Medien zu überdenken, Werbung einzuschränken und den Einfluss der Wirtschaft auf das Geistes- und Kulturleben einzudämmen. Um den „Filz“ aufzulösen, sei eine Trennung von Wirtschaft / Staat / Politik / Kulturleben notwendig, um so dem Lobbyismus, den Parteispenden und dem Postenwechsel in die Industrie einen Riegel vorzuschieben. Er könne sich eine „Bannmeile für Lobbyisten um den Bundestag“ vorstellen, eine „Karenzfrist“ bei Postenwechseln, Gutscheine für Schüler und Studenten - und Medien, die nicht mehr gewinnorientiert arbeiten.

 

Solidarische Ökonomie in GriechenlandBanoza Rosenitsch

Die Wiener Sozialanthropologen Manuela Banoza und Georg Rosenitsch (Vortrag zum Herunterladen) berichten über die Auswirkungen der Troika-Politik in Griechenland. Dort haben sich seit 2011 Formen solidarischen Wirtschaftens entwickelt. So habe sich in einer Situation, in der 30 Prozent der Griechen ohne Krankenversicherung lebten, in der sich HIV-Infektion, Tuberkulose und Malaria (wieder) ausbreiteten, in der die Suizidrate um 35 Prozent angestiegen sei, Obdachlosigkeit, häusliche Gewalt, Stadtflucht und Auswanderung ansteige ein neues Miteinander eingestellt. Mittlerweile gebe es Solidaritätskliniken mit kostenlosen Behandlungsmöglichkeiten, kollektive Betriebe, alternative Märkte, eine solidarische Landwirtschaft und Selbstversorgung, um nur einige Beispiele zu nennen. So fordern Banoza und Rosenitsch, dass die derzeit entstehenden, alternativen sozialen Netzwerke gefördert und auf aufrecht erhalten werden sollten. Das würde in einer Situation des finanziellen und staatlichen Crashs dafür sorgen, dass Übergangskorridore schon vorhanden sind – sie müssten dann nicht erst neu ins Werk gesetzt werden. Formen solidarischer Ökonomie, so Banoza, gäbe es bereits jetzt in Griechenland – als eine Art Vorbild für weitere Initiativen in ganz Europa.

 

Weder Eurofetischismus noch Nationalismus

Peter Wahl, Attac-Mitgründer und tätig am Berliner Institut für Weltwirtschaft, Ökologie und Entwicklung (WEED) zeichnet in seinem Vortrag die „Konturen eines neuen europäischen Projektes, das weder die Züge eines Eurofetischismus noch die eines Nationalismus trägt“ (Präsentation zum Herunterladen). Seine Lösung bezeichnet Wahl als „Dritten Weg für die Zukunft der EU“. Der bisher entstandene „Hybrid aus Staatenbund mit supranationalen Komponenten im Binnenmarkt, Außenhandel und der Agrarpolitik“, so Wahl, habe zu einer „multiplen Krise mit zentrifugalen Tendenzen und zu geringen Problemlösungskapazitäten“ geführt. Auf der Suche nach Lösungen verortet Wahl die Euro-Linke als zu sehr in der EU-Friedenspolitik verhaftet und als zu „internationalistisch“ orientiert. 

Peter Wahl, Mitbegründer von attac beim Europa-Kongress in MünchenGegen die Angst der Euro-Linken, als zu „nationalistisch“ zu erscheinen, wendet Wahl ein, dass bislang nur der Nationalstaat den „einzig funktionierenden Rahmen für Demokratie“ abgegeben habe. Aus der derzeitigen Gemengelage der EU könne er weder eine echte EU-Friedenspolitik noch eine sich herausbildende „Europäische Identität“ erkennen, schon gar nicht die „EU-Einhegung“ deutscher Hegemonie.  Und Forderungen nach einem „Internationalismus“ vonseiten der Linken entgegnet Wahl, dass die Bildung eines neuen Superstaates andere automatisch ausschlösse und im Zeitalter der Globalisierung die Schaffung eines neuen Staates „anachronistisch“ sei. Stattdessen schlägt Wahl einen dritten Weg vor, der sich durch drei Komponenten auszeichne, durch 1) eine Flexibilisierung nach innen, 2) eine Öffnung nach außen und 3) eine Variable Geometrie der Zusammenarbeit.

 

"Europa Plan B" - Thesen zu Europa und Alternativen zum Eurosystem -
ein "linkes europäisches Gravitationszentrum"

Nicht wenige Europa-Kritiker haben die Hoffnung auf systemimmanente Korrekturen komplett aufgegeben. Sie sehen eine Lösung nur ohne den Euro und mit einer völlig neuen europäischen Konstitution. Der Ausstieg aus dem politischen System und dem Währungssystem nennen sie "Lexit". Der Publizist Paul Steinhardt und Kris Kunst von "economy for the people" haben beim Europa-Kongress in München vier Thesen in Richtung eines "Lexit" formuliert und diskutiert (Thesen und die Diskussion zum Herunterladen).

These 1)
Die EU ist in ihren vertraglichen Grundlagen auf eine neoliberale Politik ausgerichtet. linke Politik in der EU ist nur gegen die zentralen Prinzipien und Regeliungen der EU möglich. Deswegen sollten wesentliche Regelungen der EU-Verträge weitestmöglich von einzelnen Ländern mit linken Regierungen gebeugt und unterlaufen werden. Ist das nicht in ausreichendem Maße möglich. Deswegen sollten wesentliche Regelungen der EU-Verträge weitestmöglich von einzelnen Ländern mit linken Regierungen gebeugt und unterlaufen werden. Ist das nicht in ausreichendem Maße möglich, sollten ein Land aus der EU austreten. 

These 2)kris kunst
Die Europäische Währungsunion (EWU) nimmt bei der Erzwinung einer autoritär-neoliberalen Politik in der Euro-Zone eine Schlüsselrolle ein. Es kann keine linke Politik im Euro-Raum geben. Es bleibt einer linken Regierung nur der Austritt und die Installierung einer eigenen Währungsordnung. Deren Gestaltung wiederum determiniert, inwiefern linke Politik in diesem Land in Zukunft möglich sein wird.

These 3)
Die „Vereinigten Staaten von Europa“ dürfen nicht länger das Oberziel linker Politik sein. Wie weit Integration oder Separation zwischen europäischen Ländern sinnvoll ist, ist im Einzelnen je nach Themen und Ländergruppen zu beurteilen. Oberstes Kriterium für linke Politik muss es sein, in möglichst vielen Ländern und Regionen Europas linken Regierungen mit einer linken Politik zum Durchbruch zu verhelfen – mit der Perspektive eines Umbaus der Wirtschaftsordnung in ihren Ländern.

These 4)
Die grundlegende Ausrichtung der Euro-Linken ist gescheitert. Sie hat sich politisch selbst entwaffnet, indem sie sich faktisch für den Flankenschutz des neoliberalen EU-Projektes hergegeben hat. Zugleich hat sie dem Aufschwung des Rechtspopulismus‘ in der EU nichts entgegenzusetzen gehabt. Wir dürfen die Kritik an Euro und EU nicht der politischen Rechten überlassen! Plan B: Es geht darum, ein linkes politisches Gravitationszentrum aufzubauen, das dem Rechtspopulismus das Wasser abgräbt und eine realistische Perspektive für eine linke Politik in möglichst vielen Ländern eröffnet.

 

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Weitere Thesen von Paul Steinhardt und Kris Kunst (Ergänzungen)

1. Die Wiedererlangung nationaler Souveränität ist eine notwendige Voraussetzung für linke Politik in einem EU-Land.

2. "Ein Land – eine Währung" ist die optimale Konstellation in der Währungsfrage.

Ergänzung von Kris Kunst: 

Eckpunkte für eine neue Geldordnung:

3. Es geht nicht um ein Zurück in die Zeit vor 1999, sondern um ein Voran in etwas Neues. Wenn schon die Chance bestünde, eine neue Währungsordnung zu etablieren, dann könne man diese gleich grundlegend anders gestalten als bisherige Währungsordnungen. Folgende Elemente sollten bei der Implementierung einer neuen Geldordnung (z.B. in einem Lande) installiert werden:

a) Geldschöpfung nur noch bei der Zentralbank, Geschäftsbanken sind nur noch Vermittler und Aufbewahrer vom Geld Dritter.
b) Zentralbank in der Kontrolle von Parlament/Regierung (allerdings ist über strukturelle Vorbeugung vor Missbrauch nachzudenken - Gewaltenteilung)
c) Finanzierung des Staats über Geldschöpfung dieser Zentralbank (Steuern und andere Instrumente dienen der Geld-Löschung, nicht mehr der Staatsfinanzierung)
d) Nicht-renditeorientierte öffentliche Banken sollten das Rückgrat der Unternehmensfinanzierung bilden.

 

 

Und jetzt - was tun?

Europa - "Plan A" oder doch lieber gleich "Plan B" mit Lexit?

Am dritten Kongresstag, am Sonntag Vormittag, schälte sich eine Stoßrichtung für ein gemeinsames Vorgehen heraus, in Gestalt einer Vision, die Formen einer Kampagnen-Idee annahm.

Im Zentrum der Idee stand die Frage, wie wir in Europa mit dem zur Verfügung stehenden Geld alle weniger arbeiten können, die Finanz- und die Flüchtlingskrise in den Griff bekommen und Europa insgesamt solidarischer machen können. Die Formel dafür lautet „Qualitative Easing – money for the people“. Diese Idee ist nicht neu, sie kommt von Jeremy Corbin von der englischen Labour Party.

Die EZB druckt derzeit jeden Monat frisches Geld (also nicht das Geld von Steuerzahlern) in Höhe von 60 Milliarden Euro und kauft damit bei den Banken Staatspapiere und Wertpapiere, um eine weitere Finanzkrise zu verhindern. Dieser Vorgang wird auch Quantitative Easing (QE) genannt.

Während die EZB Banken mit frischem Geld versorgt, so Corbin, leben in der EU derzeit Millionen von Menschen, die dieses Geld dringend brauchen könnten, weil sie durch die Austeritätspolitik ihrer Länder in Arbeitslosigkeit, Wohnungsnot und prekäre Verhältnisse gedrängt worden sind (s. die Krisenländer Griechenland, Spanien, Portugal). Michaela Amiri von attac München merkt dazu an, dass die Richtungsänderung des EZB-Geldes, weg von den Banken, hin zu den Menschen, gleich zwei zentrale Ziele haben könnte: Mehr Geld direkt in die Volkswirtschaft zu geben bei gleichzeitiger Reduktion der Arbeitszeit. So könnte zudem der wirtschaftlichen Überproduktion Einhalt geboten werden und auch die Flüchtlingsproblematik könnte so sehr viel leichter entschärft werden.

Der 5-Präsidenten-Bericht (zum Herunterladen)

Alexis Passadakis von Attac führt an, dass mit der Finanzkrise und der Austeritätspolitik in Europa zugleich auch die Demokratie mehr und mehr ausgehöhlt wird. Den sogenannten 5-Präsidenten-Bericht hält er für einen weitreichenden Versuch der Eurokraten, die neoliberale Richtung des EU-Projektes auszubauen und zu zementieren. Passadakis hält diesen 5-Präsidenten-Bericht – analog und - in Folge zu den Anti-TTIP-Kampagnen, für geeignet, eine neue Europa-Debatte zu entfachen, die für ein europaweites Aufsehen sorgen könne.

Analysen, Ansätze, Ideen und die Stoßrichtungen - alles ist nun im Grunde da. Nun muss nur noch die europäische Bevölkerung ins Boot geholt werden. 

 

Videos, Vorträge und Präsentationen des Europa-Kongresses in München in der Übersicht (und zum Herunterladen)

Kongressbericht komplett, attac München/Akademie Solidarische Ökonomie, November 2015
Bericht als pdf-Dokument

Alle Beiträge des Europa-Kongresses der Akademie in München sind nun als Video abrufbar - im Youtube-Kanal der Akademie (hier klicken)


Video
von der Podiumsdiskussion "Nach dem Troika-Diktat - Wege zu einem anderen Europa"
mit Paul Steinhardt, dem Moderator Harald Bender (Akademie Solidarische Ökonomie), Manuela Banoza (Sozialanthropologin Wien), Michaela Amiri (attac München) und Alexis Passadakis (attac), Dauer: 1h, 23 Minuten (bitte hier klicken)


Dr. Harald Bender
- Keynote "'Für ein anderes Europa"
Vortragstext "Für ein anderes Europa" - pdf-Dokument
Powerpoint-Präsentation, "Krise und Alternativen" (pdf-Dokument)


Professor Christian Kreiß
- "Die europäische Wirtschafts- und Finanzkrise"
youtube-Video (15´28)
Powerpoint-Präsentation (pdf-Dokument)

Manuela Banoza, Georg Rosenitsch - "Austerity kills - Beispiel Griechenland"
Powerpoint-Präsentation (pdf-Dokument)
Powerpoint-Präsentation, "Alternative Medien zu Griechenland" (pdf-Dokument)


Peter Wahl, attac
Powerpoint-Präsentation, "Weder Eurofetischismus noch Nationalismus"


Kris Kunst, Paul Steinhardt
pdf-Dokument, Thesen zu "Europa Plan B" - vorgestellt in München, Europa-Kongress

Manuskript "Europa Plan B", August 2015 (pdf-Dokument)
Thesen zu "Europa Plan B" (pdf-Dokument)

facebook-Gruppe Europa Plan B