Weiterleitbrief

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Januar 2013

Diese wirtschaftliche Entwicklung nicht hinnehmen!

Denkanstoß zum eigenen Bedenken und zum Weiterleiten

Immer mehr Menschen sind über die gegenwärtige Art des Wirtschaftens zutiefst beunruhigt. Sie fürchten, dass diese auf eine Crash-Situation zu rast, die nicht mehr zu beherrschen ist.

Dabei werden die Widersprüche immer auffälliger und gravierender. So wird die Kluft zwischen Arm und Reich immer tiefer, die Staatsverschuldung ist hoffnungslos, der Umweltverbrauch ist schon um ein Vielfaches größer als es unser Ökosystem verträgt. Die zerstörerischen Folgen kommen immer schneller auf uns zu.

Diese Art zu wirtschaften dient dem Menschen nicht!

Die Politik behauptet, es gäbe keine Alternative. Doch wie kann es weitergehen, wenn diese Art des Wirtschaftens erkennbar am Ende ist?

Vorschlag: Indem wir uns mit der Behauptung der Alternativlosigkeit nicht abfinden, sondern eine andere Wirtschaftsweise entwickeln!

Als Alternative sind in den letzten Jahren wissenschaftlich fundierte Ansätze, Modelle und Realisierungsmöglichkeiten erarbeitet worden.

Die Ergebnisse zeigen: Eine lebensdienliche und solidarische, eine ökologisch zukunftsfähige und gemeinwohlorientierte Wirtschaftsweise ist möglich.

Um diese zu realisieren, müssen zunächst die grundlegenden Systemfehler unserer Wirtschaftsweise erkannt und überwunden werden. Unsere vorherrschende Ökonomie ist auf die Mehrung von Geld ausgerichtet. Geld wird dabei vom Mittel des Wirtschaftens zum (Selbst-) Zweck: Aus Geld muss mehr Geld werden – durch Renditeabfluss, durch Spekulation und durch das Zinssystem. Alles Leben in dieser Welt wird dabei zur Ware. Jeder Erfolg wird in Geldwert gemessen. Was sich nicht rechnet, ist wertlos.

So ist unsere ganze Wirtschaft vom Prinzip durchdrungen, dass sie der Erzielung von (privaten) Gewinnen und Profiten zu dienen habe. Wirtschaft aber hat für die Ziele und Bedürfnisse aller, d.h. für das Gemeinwohl da zu sein. Gemeinwohl – nicht Gewinn – ist der Kern unserer Verfassung.

Gewinn- und Profitstreben als Selbstzweck des Wirtschaftens zieht weitere Fehlentwicklungen nach sich, die vermieden werden können. Denn es gibt ein Stattdessen.

Fehlentwicklungen

Stattdessen

  • Eine Wachstumsmanie mit dem „Immer mehr, größer, weiter, schneller, ...“ und seinen zerstörerischen Folgen

  • Eine Ökonomie des Gleichgewichts ohne Wachstumszwang und zum Wohl aller

  • Das Konkurrenzprinzip, verbunden mit krankmachendem Arbeits-, Leistungs- und Zeit-druck

  • Kooperation, Wertschätzung und Solidarität auch im Arbeitsprozess. Entschleunigung, für ein menschliches Miteinander

  • Die Jagd nach Gewinnmaximierung mit Abwälzen von Lasten und Folgekosten auf Umwelt und Steuerzahler

  • Verursacherprinzip mit Bilanzierung und Ausgleich aller sozialen und ökologischen Kosten

  • Herausdrängen staatlicher Regeln aus der Wirtschaft

  • Regeln im Sinne des Gemeinwohls und der ökologischen Nachhaltigkeit

  • Profit und Bereicherung einer winzigen Oberschicht auf Kosten der Vielen

  • Wirtschaftliches Handeln in gesellschaftlicher Verantwortung und nach moralisch-ethischen Grundsätzen

Um die Fehlentwicklungen zu überwinden und eine lebensdienliche Wirtschaft aufzubauen,
brauchen wir:

  • Eine neue Finanzordnung – ohne spekulativen Geldhandel und ohne Zins(eszins-)system. Gemeinnützige Banken, die öffentlich bereitgestellte Finanzierungen treuhänderisch verwalten, als reine Dienstleister arbeiten und keine Gewinne abschöpfen.

  • Eine neue Eigentumsordnung – ohne Ausbeutung von Mensch und Umwelt. Grund und Boden und die ebenso begrenzten Rohstoffe gehören allen. Bereicherung durch Ausplünderung der Natur darf nicht mehr möglich sein.

  • Öffentliche Güter und Dienstleistungen müssen aus der Privatisierung in die Öffentliche Hand zurückgeführt werden. Güter der Daseinsvorsorge - wie Gesundheits- und Bildungssystem sowie Infrastruktur - stehen allen zur Verfügung und dienen dem Gemeinwohl.

  • Ein Steuersystem, in dem die großen Vermögen zum Abbau der Staatsverschuldung herangezogen werden und die Vermögenden größere Lasten tragen.

  • Eine ökologische Kreislaufwirtschaft mit regenerativer, dezentral erzeugter Energie.

  • Eine neue Arbeitskultur mit kürzerer, gerecht verteilter und bezahlter Erwerbsarbeit. Dieser gleichgestellt: Gemeinwohl-, Familien- und Nachbarschaftsarbeit.

  • Ein leistungsgerechtes und solidarisches Lohn- und Vergütungssystem ohne Abfluss ruinös großer Geldmengen aus den Unternehmen an Manager und Kapitaleigner.

    Dazu gehören auskömmliche Mindestlöhne und ein jedem Bürger zustehendes Grundeinkommen.

  • Eine partizipatorische Unternehmensverfassung mit Nachhaltigkeitsbilanz und Mitbestimmung aller Beteiligten (Eigentümer, Mitarbeiter, Kunden, Kommunen usw.).

Wer über diese Stichworte hinaus mehr und Genaueres über die Entwürfe einer Alternativen Ökonomie wissen möchte, findet weitere Informationen auf der Homepage unter: www.akademie-solidarische-oekonomie.de 

Wie können wir eine andere Richtung einschlagen, welche Auffassungen müssen wir zukünftig vom Leben haben, wie können wir zu einer umfassenden Sicht des Evolutionsprozesses in der modernen Kosmologie finden, wie können wir wiedererlangen, was wir durch die Todsünden unseres jetzigen wirtschaftlichen Systems verloren haben, und verhindern, dass wir im planetarischen Selbstmord enden?

(Heiner Geißler in Leonardo Boff: Zukunft für Mutter Erde. Warum wir als Krone der Schöpfung abdanken müssen. 2012; S. 9)

Wir bitten, diesen Brief an Interessierte weiterzugeben.